Ausgesetzt. 8 CDs
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- Amazon-Verkaufsrang: #158 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2008-10-01
- Erscheinungsdatum: 2006-04-07
- Format: Audiobook
- Originalsprache: Deutsch
- Anzahl der Produkte: 8
- Einband: Audio CD
Aus der Amazon-Redaktion
Kurzbeschreibung
Hypnotisch - Nichols macht süchtig. The Globe and Mail (Toronto)
Neben einer Landstraße in Ontario wird ein dreijähriger Junge ausgesetzt. Seine Mutter flüstert ihm noch zu, sich an einem Zaun gut festzuhalten - doch sie kehrt nie zurück. Mit neunzehn weiß Walker Devereaux immer noch nicht, wer er eigentlich ist. Außer einem Foto von zwei Mädchen und dem Brief eines Teenagers, die man damals in seiner Jackentasche fand, hat er keine Anhaltspunkte. Aber er gibt nicht auf. Walker will das Rätsel um seine Familie lösen - und kreuzt den Weg eines mörderischen Psychopathen.
Auszug aus Ausgesetzt von James W. Nichol, Silvia Visintini. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
1995
Der dreijährige Walker Devereaux steht an einer Straße, auch wenn er zu klein ist, um sie zu sehen. Hohes Gras umgibtihn, Gras von der gelbbraunen Farbe einer Löwenmähne in der späten Nachmittagssonne. Hin und wieder rauscht ein Auto vorbei.
Er hält sich mit aller Kraft an einem Quadrat eines Maschendrahtzauns fest und schaut unverwandt hindurch, auf noch mehr Gras, das steil einen Hang hinaufwächst, auf silbriges Moos weiter oben und hoch aufragenden schwarzen Fels. »Halt dich fest«, hatte sie geflüstert, »halt dich ganz fest.« Ihr Schatten über ihm, ihr dunkles Haar, das herabfiel und sein Gesicht bedeckte, ihr warmer Atem an seinem Ohr. Aber er hielt sich ja schon fest, so fest, dass der Draht in seine Hand einschnitt, so voller Angst vor etwas oder jemandem, dass er es nicht wagte, seine Augen von diesem Quadrat und dem Gras abzuwenden. Und dann war sie verschwunden. Der rostige Draht färbt seine Hände orange, die Nachmittagssonne wird kälter. Er beginnt zu schwanken. Der Berg beugt sich über ihn, das hohe Gras marschiert wie eine Armee an ihm vorüber, schwatzend, die Fahnen zum Himmel gestreckt. Er konzentriert sich noch immer auf das Geräusch näherkommender Fahrzeuge, jedes bringt ihm die Mutter zurück, jedes fährt vorbei.
Und dann bleibt eines stehen. Er hört, wie eine Autotür zugeschlagen wird. Seine Herz macht einen Sprung, aber er kann sich nicht umdrehen, um hinzusehen, er ist schon Teil des Zauns. Er kann sich nur mehr daran festklammern, den Hang hinaufstarren und warten. Eine Männerstimme ertönt. »Was hab ich gesagt? Komm herauf. Schau dir das an.«
Er hört den Mann durchs Gras rascheln. Ein aufgedunsenes rotes Gesicht taucht aus der Düsternis auf, verharrt schwebend neben seinem Ohr. »Lass den Zaun los, Junge«, sagt das rote Gesicht. Aber er kann nicht, so sehr er es auch versucht, und so muss der Mann jeden seiner Finger einzeln vom Drahtgeflechtlösen, einen nach dem anderen.
»Menschenskind«, sagt der Mann.
So hatte alles begonnen. Das war das erste, woran der neunzehnjährige Walker Devereaux sich erinnern konnte. Er war ausgesetzt worden: nicht bei einem Freund oder dem Jugendamt abgegeben oder notfalls in irgendeinem schäbigen Motelzimmer »vergessen«, sondern am Straßenrand abgeladen wie ein lästiges Hundebaby. Und immer die Frage, die schmerzliche Frage, warum? Der Bus machte einen Ruck. Der Verkehr floss immer langsamer, eine ununterbrochene Kette von Autos, Wohnmobilen und Bootsanhängern. Wochenendausflügler, die sich an einem Sonntagabend wieder nach Toronto hineinzwängten. Walker sah aus dem Fenster. So viele Leute, Großstädter. Schon kam er sich vor wie das letzte Landei. Er sah auf seine abgewetzten Jeans hinunter. Am rechten Knie war ein Riss, aber in seinem Fall war das kein Tribut an die Mode, sondern einfach nur ein Riss. Er versuchte, die Beine auszustrecken, ohne die Frau mittleren Alters zu berühren, die sich in den Platz neben ihm gequetscht hatte. An die sechzehn Stunden waren sie so nebeneinander gesessen, gelegentliche Berührungen waren unvermeidlich gewesen, aber gesprochen hatten sie so gut wie nichts. Einmal hatte sie ein Taschentuch herausgezogen und sich ein paar Tränen abgetupft. Walker hatte nicht gewusst, was er sagen sollte, also hatte er nichts gesagt. Er hatte angenommen, sie sei einsam, weil er einsam war, ohne seine Adoptivfamilie, ohne seine Freunde. Und ohne Cathy. Eines musste man seiner Familie lassen, da hielten alle zusammen. Am vergangenen Abend hatten sie eine Riesenfete für ihn veranstaltet, und auch am nächsten Morgen waren sie – alle außer seiner Mutter und seinen drei jüngeren Schwestern verkatert und mit Brummschädeln – ganz früh angetreten, um in der strahlenden Morgensonne tapfer mit ihm auf den Bus aus Thunder Bay zu warten. Und als der heranfuhr, überhäuften ihn alle seine sechs Schwestern mit guten Tips für das Überleben in der Großstadt, als ob sie eine Ahnung davon hätten, seine drei Schwäger schüttelten ihm die Hand, und Gerard Devereaux, sein ganzes Leben ein Waldarbeiter, sein ganzes Leben ein Trinker, schwieg wie immer inmitten der Weiberkakophonie, aber er sah Walker tief in die Augen, als ob er nicht damit rechne, ihn allzu bald wiederzusehen.
Auf einmal fühlte er die Arme von Mary Louise Devereaux um seinen Hals und ihre Lippen fest auf seiner Backe und seinen Lippen; sein bester Freund Stewey half ihm, seine Sporttasche im Bauch des Busses zu verstauen, und all seine Freunde und seine ganze Familie scharten sich um ihn und sagten, viel Glück, Walker. Viel Glück!
Nur Cathy war weggeblieben. Und das hatte ihn auch nicht überrascht. Eines Nachts, als sie in seinem alten Pick-up saßen, hatte sie gesagt: »Walker, das hat alles nichts mit mir zu tun.« »Du könntest mitkommen«, hatte Walker gesagt, und es eigentlich nicht gemeint. »Was von der Welt sehen.« »Blödmann«, hatte sie gesagt und sich weggedreht. Er hätte sie küssen können. Flüstern können: »Ich will dich nicht verlieren.« Er hätte ihren köstlichen Duft einatmen können, zusammen mit dem Parfüm, das sie sich immer hinters Ohr tupfte und das ihn verrückt machte. Er hätte sie noch einmal an sich ziehen, ihre Brüste mit seinen Händen umfassen und flüstern können: »Wir können gehen, wir können bleiben. Hauptsache, wir sind zusammen, Cath«, und die Autoscheiben hätten sich noch einmal mit ihrem Atem beschlagen. Aber er tat nichts davon. Weil es um mehr ging als um sein Verlangen, die Welt zu sehen. Er hatte etwas entdeckt. Etwas, von dem er niemandem erzählen wollte. »Ich gehe, Cath«, hatte er gesagt.
Kundenrezensionen
Sensationell
Wenn ich mehr Sterne als fünf geben würde, dann hätte ich mehr gegeben. "Ausgesetzt" ist der intelligenteste Thriller, der mir seit langem in die Hände gefallen ist. Eine sehr gute schlüssige Geschichte von einem jungen Mann der sich auf die Suche nach seinen wahren Eltern macht, gepaart mit einem Hauch Liebe, einer ordentlichen Portion Spannung und einem dunklen Geheimnis, dass bis zu letzt auch dem raffiniertesten und krimierfahrensten Leser nicht unbedingt offenbart wird. Keine Idee vom Reißzettel sondern ein wirklich fesselnde Familiengeschichte mit dunklen Schatten wird in "Ausgesetzt" erzählt. Es ist diese leichte kribbelige Spannung die sich aufbaut und immer ein wenig mitschwingt, die dieses Buch so einzigartig macht. Nicht die großen Horror-Schock-Effekte sondern achtsam gesetzte "Thrills" und Rückblenden sind es, die einem zum Schaudern bringen. Fesselnd bis zur letzten Seite und manchmal sogar sehr melancholisch und einfühlsam aber durchaus auch witzig - ein rundum gelungenes Buch. Ich konnte "Ausgesetzt" nicht aus der Hand legen, habe fast Termine verpasst deswegen und wollte die Wahrheit endlich herausfinden - doch das Ergebnis ist so unvorhersehbar, dass sich wirklich erst kurz vor Ende das ganze Geheimnis des kleinen Jungen, der mit drei Jahren am Straßenrand ausgesetzt wurde offenbart. Lesen!
Sehr gut
Aufgrund zahlreicher Top-Kritiken der Medien und hier bei Amazon war meine Erwartung an diesen Thriller natürlich gewaltig.
Ich habe eine Sensation und ein einmaliges Highlight des Genres erwartet.
Das ist es natürlich nicht.
Aber "Ausgesetzt" bietet auf jeden Fall eine wunderbar durchdachte Story, die einen regelmäßig durch einige Gefühlswelten jagt.
Es gibt jede Menge Spannung.
Die Charaktere sind nachvollziehbar und gut erdacht.
Und auf der Suche nach des Rätsels Lösung wird man immer wieder auf falsche Fährten gelockt.
Was man aber vergebens sucht ist die klassische düstere und trostlose Stimmung vergleichbarer Thriller.
Hier wurde es allerdings wunderbar kompensiert.
Das die Kapitel (genre-untypisch) an einigen Stellen sehr lang geraten sind, empfand ich nur anfangs gewöhnungsbedürftig.
Durch den Sog der Geschichte fällt dies im Laufe des Buches nicht mehr auf.
Mein Fazit:Sehr gute Unterhaltung. die von Anfang bis Ende fesselt.
gut geschriebenes Buch, spannend
Der 3 jährige Walker wird an einer Straße gefunden ohne eine Spur seiner Mutter. Als er volljährig wird, begibt er sich zu der Frau, die ihn immer wieder in neue Pflegefamilien vermittelt hat und liest seine Akte durch. Dabei findet er den Brief und das Foto mit zwei kleinen Mädchen. Beides hatte man damals bei ihm in der Jacke gefunden. Der Brief an eine Lennie geschrieben von Kim und das Foto mit dem Hinweis 2. Juni 1964 Marys Point. Brief und Foto nimmt Walker mit und begibt sich auf die Suche nach seinem Ursprung, nach seiner Familie und löst schließlich das Geheimnis seiner Aussetzung und seines Rätsels...
Das Buch ist gut geschrieben. Meines Erachtens besticht es gerade durch diese Erzählweise und langweilt kein einziges Mal. Vielmehr liest man es und merkt nicht, wie schnell man vorankommt. Sicherlich baut es nicht eine beängstigende Stimmung auf und ist kein Thriller im klassischen Sinne. Aber heutzutage werden so viele Bücher als Thriller bezeichnet, ohne welche zu sein. Das Buch war insoweit spannend, als daß man das Ende und die Auflösung wissen wollte. Zum Teil passieren Walker auch mysteriöse Dinge, die nicht sofort erklärbar sind. Der Autor schaffte es, den Leser so stark in die Geschichte einzubinden, daß man selbst Überlegungen anstellen konnte / will und auch den Fortgang der Ermittlungen nachvollziehen konnte.
Die gleichzeitigen Erzählungen von einem Bobby fand ich sehr gut. Der Autor beschrieb Erlebnisse des Bobbys aus der Vergangenheit und stellte seine psychopatische Seite überzeugend dar. Die so miteinander verwobenen Darstellungen der Geschichten Walker und Bobby (später noch Kiss) erinnert an Bücher von Mary Higgins Clark (zB "Mein ist die Stunde der Nacht").
Das Buch ist empfehlenswert und garantiert gute Unterhaltung mit tollen Schreibstil.



